Neapoli, Selinari und Umgebung

Neapoli, eine der schönsten Städte auf Kreta, mit Umgebung, der alten dorischen Bergstadt Driros und dem Weihkloster Selinari in der Schlucht auf der Anfahrt.

Neapoli

Neapoli am Park und im Hintergrund das Provinzgericht.

Neapoli ist eine der schönsten Städte – nicht nur in der Präfektur Lassithi, sondern auf ganz Kreta. Es liegt praktisch in der Mitte des üppigen, grünen Skafi-Beckens am Golf von Mirabello und ist immer noch ein wichtiger Verwaltungssitz der Region.
Von hier aus sind es nur 35 km bis zur Lassithi-Hochebene sowie ein kurzes Stück nach Agios Nikolaos und Elounda am Golf von Mirabello oder nach Malia im Westen, mit all ihren Gegensätzen.

Neapoli

Neapoli in Mitten des Skafi-Beckens.

Trotz der Bedeutung von Neapoli in der Geschichte – so war es zum Beispiel der Geburtsort von Papst Alexander V. – und seiner strategischen Lage, gibt es in der Stadt kaum Touristen, mit Ausnahme derjenigen, welche am Hauptplatz in den Cafés sitzen, um auf einen anderen Bus zu warten.

Trotzdem ist es eine bezaubernde Provinzstadt, welche früher einmal die Hauptstadt der Region Lassithi war, bevor diese Rolle im Jahr 1904 von Agios Nikolaos übernommen wurde. Neapoli ist immer noch Sitz der Lokalverwaltung und des Provinzgerichts und verfügt neben vielen Schulen auch über einen Gefängnis-Komplex.

Kirche von Neapoli

Die große Kirche von Neapoli.

Es ist ein freundlicher und friedlicher Ort für einen Zwischenstopp auf dem Weg zum Lassithi-Plateau. Rund um den großen, verschlafenen Hauptplatz, an welchem die Busse in Richtung Iraklion und Agios Nikolaos anhalten, gibt es eine Post, Supermärkte, Banken, Tavernen, eine gute Pizzeria und Kafinions.

Es gibt eine große, im Innenraum prächtige Kirche für den Bischofs-Sitz in Neapoli und ein Folklore-Museum. Das archäologische Museum ist zurzeit geschlossen, da es 2018 in bessere Räumlichkeiten verlegt werden soll.

In Neapoli ist es aufgrund der höheren Lage nicht ganz so warm im Sommer, aber dafür auch kälter im Winter.
Regelmäßiger Schneefall im Winter ist keine Seltenheit und es regnet auch mehr – manchmal bis in den Juni hinein und schon wieder ab September – da die Regenwolken, welcher der Nordwestwind nach Kreta bringt, an den Hängen des Skafi-Beckens ihr Wasser verlieren müssen.
Dadurch gibt es an den Hängen südlich von Neapoli viel Baumwuchs und Wälder, welche eher an Mitteleuropa als an Kreta erinnern.

Mehr Bilder von Neapoli:

Kloster über Neapoli

Kloster Kremaston

Nonnen-Kloster St. Michael und Gabriel ‘Kremaston’

Auf der Strecke zum Lassithi-Plateau befinden sich kurz hinter Neapoli zwei Kloster.
Das erste ist das Kloster von Kremaston, welches 1593 vom Mönch Mitrofanis gegründet wurde. Das Nonnen-Kloster St. Michael und Gabriel ‘Kremaston’ ist ein Zentrum des klösterlichen Lebens und der Bildung und spielte eine bedeutende Rolle während der kretischen Revolution in der Provinz Mirabello. Es wurde nach dem 2. Weltkrieg zwar aufgegeben, nun aber wieder hergerichtet.

Ein kurzes Stück weiter erreicht man das moderne Heilige Kloster von Koufi Petra, wenn man sich bei der nächsten Abzweigung rechts hält. Von hier hat man auch einen herrlichen Blick auf das Skafi-Becken.

 Drasi-Park

Am Drasi-Park.

Auf der nachfolgenden Strecke zur Lassithi-Hochebene führt die Straße im nächsten Tal am Drasi-Park mit seiner Wasserquelle und Fontäne vorbei. Diesen erreicht man entweder, indem man kurz nach der Kuppe talwärts in einen kleinen Seitenweg nach rechts einbiegt – oder von der anderen Seite des Tals, wo die Serpentinen hoch auf das Plateau beginnen.


Selinari

Weihkloster des Heiligen Georgs zu Selinari und Schlucht.



Kloster Selinari

Im Weihkloster des Heiligen Georgs zu Selinari.

Das Weihkloster des Heiligen Georgs zu Selinari für Mönche und liegt in Mitten der Schlucht Selinari, auf der Strecke zwischen Malia nach Neapoli.

Nationalstrasse Selinari-Schlucht

Nationalstraße vor dem Kloster durch die Selinari-Schlucht.

Direkt vor dem Kloster verläuft die neue Schnellstraße und auch die alte Nationalstraße, welche von Iraklion nach Agios Nikolaos verläuft.
Aus diesem Grund kann das Kloster täglich viele Besucher empfangen, da sich in der Vergangenheit der Aberglaube eingenistet hat, dass jeder, der die Schlucht durchquert und nicht im Kloster Selinari anhält, von Pech heimgesucht wird. Deshalb hielten schon im Mittelalter die Reisenden mit ihren Lasttieren hier an, um eine Ruhepause einzulegen.

Die Schlucht, welche entlang des Hangs des Berges Selena verläuft, ist das natürliche Tor aus der Region von Lassithi zur Nordküste nach Iraklion.
Die Selinari-Schlucht verfügt über eine dichte Vegetation und ist die Heimat vieler Vogelarten und Greifvögel. Auch gab es hier einmal die seltene kretische Wildziege Kri-Kri, aber heutzutage ist sie leider nicht mehr in der Umgebung zu finden.

Der Sage nach wurde ein Mönch aus Rhodos mit dem Namen Nikolaos von Gott zur Schlucht von Selinari geleitet, wo er eine Ikone des Heiligen Georg fand und dort eine Kirche errichtete.
Nikolaos lebte in Selinari bis zu seinem Tode und wurde in einer kleinen Höhle, welche er selbst an der Spitze des Bergs Anavlohos in den Fels geschlagen hatte, begraben.

Einige Jahre nach seinem Tod traf ein Schiff aus Rhodos vor der Küste Kretas ein und die Seefahrer sollen von einem leuchtenden Stern zum Grab des Nikolaos geführt worden sein.
Die Seefahrer deuteten dies als göttlichen Hinweise, die sterblichen Überreste von Nikolaos nach Rhodos zurückzubringen.

Mehr Bilder vom Kloster und Schlucht von Selinari:

Die Anavlohos-Höhle befindet sich auf der Ostseite der Schlucht, direkt gegenüber dem Kloster. Die genaue Stelle kann am Rand der Schlucht durch ein großes Kreuz erkannt werden und die Höhle ist auch zugänglich, aber über den steilen Pfad ist dies jedoch nicht einfach.

Während der osmanischen Herrschaft über Kreta sollen die Türken das Kloster angegriffen haben, was durch drei Kugeln in der alten Ikone des Heiligen Georgs bewiesen sein soll. Da das Kloster dabei nicht zerstört wurde, gilt dies seitdem als ein weiteres Wunder.

Kloster Selinari

Kloster Selinari

Ein Halt am schönen Kloster und in der herrlichen Schlucht von Selinari ist zu empfehlen. Die Mönche gelten als freundlich und willig, die Geschichte des Klosters zu erläutern.
Die Kirchen und Gebäude wurden nach und nach seit dem 20. Jahrhundert errichtet, während die Kapelle des Heiligen Georg aus dem 13. Jahrhundert stammt. Diese soll ursprünglich vom Nikolaos errichtet worden sein, hat aber heutzutage auch neuzeitliche Wandmalereien.

Neben einem Naturkunde-Museum wird auch ein modernes Pflegeheim betrieben, welches auf den Ruinen der alten Zellen der Mönche erreichtet wurde.


Kirche Keragoniotissa

Die Kirche der Heiligen Jungfrau Maria ‘Keragoniotissa’ bei Latsida.

Kirche Keragoniotissa

Kirche der Jungfrau Maria Keragoniotissa bei Latsida.

Die Kirche der Jungfrau Maria ‘Keragoniotissa’ liegt in der Nähe der Ortschaft Latsida kurz vor Neapolis, wenn ihr aus Richtung des Klosters Selinari kommt. Sie ist wunderschön umgeben von alten Eichen, welche dort seit Jahrhunderten stehen.
Die Kirche ist dem Schlaf der Jungfrau Maria gewidmet, deren großes Fest jährlich am 15. August gefeiert wird.

Gräber innerhalb der Kirche

Gräber innerhalb der Kirche.

Bei einer vor kurzem stattfindenden Restaurierung wurden viele Gräber mit sterblichen Überresten innerhalb und außerhalb der Kirche gefunden.

Es ist ein kleine, einschiffige Kirche mit einem Tonnengewölbe. Sie hat einen in den Stein gehauen Türrahmen mit Türsturz und einer projizierenden Türkrone sowie einen freien, halbkreisförmig Entlastungsbogen.

Ursprünglich war die Kirche voller Fresken und Wandmalereien, aber jetzt sind nur noch Fragmente am Bogen über dem Altar zu sehen.
Die Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert, ist aber zumindest zweimal nach dem Zusammenbruch eines Großteils des Gebäudes restauriert worden.

In seiner Zählung der orthodoxen Kirchen und Klöster aus dem Jahr 1635 erwähnte Hieromönch Gabriel das Kloster der Jungfrau Maria und die Kirche erstmals.


Driros.

Hier geht es hoch nach Driros.

Driros

Etwa 1,5 km nordöstlich von Neapoli liegt die Antike Stätte Driros auf einem Berg. Der Eintritt ist frei und es gibt einen Parkplatz davor, allerdings ist das Tor zur archäologischen Stätte bei meinem letzten Besuch (Anfang Juni 2017) mit einer Kette verschlossen gewesen. In der Vergangenheit war der Platz gewöhnlich jedoch das ganze Jahr über frei zugänglich und unverschlossen.

Man verlässt die Schnellstraße bei Neapoli und folgt der alten Straße nach Kourounes, Nofalias und Skinias in Richtung Norden. Nach etwa 1 km geht es an einer ausgeschilderten Abzweigung steil nach rechts hinunter. An der kurz danach folgenden Abzweigung dem Schild nach rechts folgen und nach etwa 500 Metern auf einer den Hügel hoch Führenden Sackgasse erreicht man den Parkplatz vor der archäologischen Stätte.
Der Weg mit Steinstufen hoch zur alten Stadt ist deutlich hinter dem Tor zu sehen.

Die frühesten Ruinen des alten Driros stammen aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. Die Stadt stand während der nächsten 700 Jahren in Blüte und war ein bedeutender Verbündeter von Knossos, aber ein Todfeind von Lyttos.
Erst am Endes 2. Jahrhunderts v.Chr. nahm die Bedeutung von Driros ab, als viele seiner Bürger nach Milet in Kleinasien auswanderten.

Nachdem man über Steinstufen und Hügel aus zusammengebrochenen Steinen – den Ruinen der alten Stadt – den Weg hinauf gegangen ist, erreicht man schließlich ein Steingebäude, geschützt unter Wellpappe. Dies sind die Überreste eines Apollo Delphins Tempels aus dem 8. Jahrhundert v.Chr., dem ältesten bekannten in ganz Griechenland.
In der Mitte sind die eingesunkenen Reste eines Herdes zu sehen. Hier wurden u.a. drei gehämmerte Bronzestatuen gefunden, ebenfalls die ältesten bekannten und nun im Archäologischen Museum von Iraklion ausgestellt. Dazu fand man zwei Inschriften in Eteokretischer Sprache, wo griechische Buchstaben verwendet wurden, um in einem alt-kretischen oder sogar möglicherweise minoischen Dialekt zu schreiben.

Driros

Die zweite Hügelkuppe mit Resten von Ruinen. Im Hintergrund links liegt Neapoli.

Der Tempel war einem Kult geweiht, der Apollo in einen Delphin verwandelte. Dieser Gott wurde von griechischen Seeleuten zur Führung auf See angebetet. Das wichtigste Heiligtum von Milet in Kleinasien war demselben Kult gewidmet, was ein weiterer Beweis für die Verbindungen zwischen diesem Gebiet und der Kolonie dort ist.

Wenn man sich heute hier umschaut, ist es schwer zu Glauben, dass dieser Tempel einmal am Rande einer belebten Agora (Marktplatz) lag. Dieser konnte über eine Treppe erreicht werden, welche westlich der Überdachung und links vom Eingang zu erkennen ist. Eine weitere Treppe führte von der Ostseite zu dem Tempel und im Süden wurde im 3. Jahrhundert v.Chr. eine Zisterne errichtet, welche nun mit Feigenbäumen zugewachsen ist.

Der Weg jenseits des Tempels führt schließlich zu einem kurzen Aufstieg über die Szenerie. Riesige, geschliffene Steine auf den Hängen rundum deuten an, dass hier eine umfangreiche Stadt gewesen sein muss.
Solange die alte Stadt nicht vollständig ausgegraben ist, findet man unter den dornigen Büschen und zusammengebrochenen Trockensteinmauern kaum etwas von Bedeutung und es ist kaum möglich, dieses einzuordnen.

Driros

Blick von der Spitze auf das Skafi-Becken mit der Schnellstraße in Richtung Agios Nikolaos.

Wenn man auf die Spitze des Hügels erklimmt, findet man neben einer Säule zur Landvermessung die bezaubernde, gewölbte Kapelle von Agios Andonios vor, von wo man einen herrlichen Ausblick auf das umliegende Gebiet hat.
Dabei stellt die düstere Ruinenlandschaft einen kraftvollen Kontrast zur grünen Landschaft um Neapoli und der Agios-Ioannis-Halbinsel dar.
Die verkümmerte Eiche vor der Kapelle dient als Glockenturm mit ihrer an die Zweige befestigten Glocke und bietet einen willkommenen, schattigen Platz im Sommer für ein Picknick.

Amzonas-Park

Am Amazonas-Park.

Folgt man der Straße vor der Abzweigung nach Driros etwa 1 km weiter in die Agios-Ioannis-Halbinsel hinein, so erreicht man kurz vor Kourounes den Amazonas-Tierpark.
Der Eintritt beträgt 10.- € (Kinder bis 3 Jahre frei, 3 bis 16 Jahre 6.- €) und bei Gruppen 8.- € pro Person.


Wegbeschreibung nach Driros

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