Lassithi-Wanderungen und Karfi

Lassithi-Wanderungen: hinauf zur Minoischen Siedlung Karfi, Erkundung des Wanderweg E4 im westlichen Teil der Hochebene und Havga-Schlucht.

Karfi

Karfi

Auf der Spitze bei Karfi.

Minoische Siedlung Karfi auf der Lassithi-Hochebene

Karfi ist eine wichtige, antike Siedlung aus minoischer Zeit östlich von Diaselou tis Ampelou (Seli) und befindet sich nahe an den Grenzen der Landkreise von Iraklion und Lassithi.

Die Siedlung wurde auf der Ostseite eines wunderbaren Kalksteinvorsprungs gebaut und nach Meinung von Experten war der ganze flachen Bereich zwischen den Spitzen der kleinen und große Koprana für eine Stadt von etwa 3.500 Einwohner ausgenutzt. Der Name Karfi (bedeutet ‘Nagel’) ist unkonventionell und wurde später gegeben, da der ursprüngliche antike Name ‘vergessen’ wurde.

Die Siedlung wurde während der Zeit gegründet, als die Minoer von den einfallenden Stämmen der Dorer aus ihren ursprünglichen Siedlungsgebieten auf Kreta verjagt wurden. Sie wurde etwa um 1.100 vor Christus an einem Ort angelegt, wo sich auf der Spitze des Hügels bereits ein Tempel befand.
An diesem entfernten, abgelegenen und hoch gelegenen Ort, konnte ein Teil der minoische Kultur noch weitere 400 Jahre nach dem Fall Knossos intakt weiterbestehen. Noch in klassischer Zeit wurde in den Bergen von Ost-Kreta eine alte, nicht-griechische Sprache gesprochen und die Menschen, welche diese benutzen, wurden als ‘Etokreter’ (‘echte, ursprüngliche Kreter’) bezeichnet.

Die archäologische Bedeutung der Stätte wurde zuerst von Evans aufgezeigt, aber die Siedlung selbst wurde ursprünglich von dem englischen Archäologen Pendelebury im Jahr 1937 bis 1939 entdeckt.

minoische Gottheit Karfi

Die in Karfi gefundene Figur einer minoischen Gottheit.

Zu den wichtigsten Fundstücken dort zählt das Idol der Göttin mit den angehobenen Händen – entweder zum Gebet oder Segen – mit einem rohrförmigen Kern, kurzen Beinen und einem Vogel auf den Kopf. Die Stücke sind jetzt in Raum 11 im Archäologisches Museum Museum von Iraklion ausgestellt.
Es wurden keine anderen wichtigen Stücke gefunden, wahrscheinlich, weil die Siedlung nicht abrupt zerstört wurde, sondern nach und nach aufgegeben (vielleicht wegen der dortigen rauen Wetterbedingungen) und ihre Bewohner ihre Habseligkeiten mit sich nahmen.
Bei Karfi wurden auch mehreren gewölbten Gräbern gefunden, viele von ihnen geplündert. Die Plünderer kamen, wenn der Schnee zu schmelzen begann, um die Lage der Gräber feststellen zu können. An Stellen, wo es Gräber gibt, schmilzt der Schnee schneller, weil die Luft im Untergrund die Temperatur erhöht.

Eines der interessantesten Elemente der antiken Siedlung ist die Anlage der gepflasterten Straßen, die stark an die Architektur der heutigen Siedlungen in der Lassithi-Hochebene erinnert. Die Wasserversorgung der antiken Siedlung kamen aus Vitsilovrysi, ‘die Quelle der Adler’, welche sich in der Nähe befindet und damals viel mehr Wasser aufnehmen konnte als heute.

Aufstieg nach Karfi

Der Aufstieg nach Karfi von der kleinen Kapelle im Seitental hinter Tzermiado aus.

Karfi ist auch durch eine Wanderung von Tzermiado aus (Lassithi-Wanderweg E4) über ein markierten und begehbar Weg erreichbar, der von der Hochebene Papoura anschließend als Pfad nach oben führt (ca. 1 Std. zu Fuß) oder von der Nisimos-Hochebene aus, die durch die Astividerou-Ausläufer führt.


Fotos vom Aufstieg, Karfi und Aussicht

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Wegbeschreibung


Lassithi-Wanderweg

Lassithi-Wanderweg E4

Auf dem westlichen Lassithi-Wanderweg E4.

Erkundung des Wanderweg E4 im westlichen Teil der Lassithi-Hochebene.

Durch die Lassithi-Hochebene verläuft ein Netzwerk von Wanderwegen, welches mein Interesse erweckte, sodass ich mich mit meinen geretteten Hunden zu einem ersten Erkundungstrip im nordwestlichen Teil des Plateaus aufmachte. Ausgangspunkt war der Nordwesten der Ringstraße, wo zwischen der Ortschaft Kato Metochi und dem Kloster Vidani eine unbefestigte Straße nach Westen abzweigt – direkt an der Stelle, wo sich das Hinweisschild für das Kloster befindet.



Nach einer Fahrt über ein paar hundert Meter wurde das Auto abgestellt, da der angegebene Wanderweg von dort kaum noch zu befahren ist und sich schnell in einen nur noch begehbaren Pfad verwandelt.

Dieser Pfad ist rudimentär mit den Hinweisschildern zum E4-Wanderweg ausgestattet, welche aber an einigen Stellen leicht zu übersehen sind, weshalb es schon vorkommen kann, dass man ein Stück zurückgehen muss, um wieder auf den richtigen Weg zu kommen.

Zu öffnende Schafsgatter sind mit einem in Hufeisenform angebrachten Schlauch markiert. Diese Gatter sind in der Regel überall auf Kreta an einer Seite mit einer Schnur oder einem Stück Draht befestigt, welcher geöffnet werden kann. Nach dem Passieren des Gatters muss es wieder von der anderen Seite verschlossen werden, damit keine Schafe oder Ziegen das Gelände verlassen können.

Der Pfad scheint nach kurzer Zeit einer alten ‘Esels’-Strasse zu folgen, welche in die Ebene von Kasteli mit der byzantinischen Kirche Pandeleimon bei Pigi hinab führte.

Zur Überraschung trifft man, nachdem man einen kurzen, aber recht steilen Hang überwunden hat (an dieser Stelle kann man von einem Kletterpfad statt einem Wanderweg sprechen), wieder auf die zwar unbefestigte, aber gute Straße.

Nach einem Stück auf der Straße trifft man auf einen großen und von weitem sichtbaren Gedenkstein, welcher daran erinnert, dass vor über 200 Jahren an dieser Stelle der ‘türkische Bandit Tsoulis Pascha von Anwohnern wegen seiner Verbrechen gegen Christen hingerichtet’ wurde. Auch weist der Stein darauf hin, dass der Pfad schon zu Zeiten der Minoer benutzt wurde. Aber auf jeden Fall geht seine Benutzung bis in die venezianische Zeit zurück.

Nicht weit davon befindet sich ein Rastplatz mit einer herrlichen Aussicht über Kasteli mit seinem (militärischen) Flugplatz bis nach Norden an die Küste bei Hersonissos. Bis hierhin waren wir etwa 45-60 Minuten zu Fuß unterwegs und legten eine kurze Rast ein.

Danach stellten wir jedoch fest, dass der Weg nun 500 Meter sehr steil hinunter auf einem gut erhaltenen Eselspfad von der Lassithi-Hochebene in Richtung Lytos führt. Leider war es offensichtlich unmöglich vor Einbruch der Dämmerung hinabzusteigen und auch wieder zurück zum Fahrzeug zu gelangen. Die Strecke hinab trifft dann auf eine unbefestigten Straße zwischen Tichos und Lytos, welche weiter nach Kastamonitsa führt. Zur Bewältigung dieser Strecke dürfte aber noch etwa die zwei- bis dreifache Zeit nötig sein.

Der Rückweg erfolgte nun zwecks Erkundung über die gute Straße, was viel schneller und einfacher vonstattenging. Unterwegs an der Straße befindet sich auch die heilige Pilger-Kapelle ‘Saint George Honos, Parish of Kato Metohi’.

Die Strecke bis zum Tsoulis-Pascha-Gedenkstein mit der herrlichen Aussicht ist auf jedem Fall ohne Probleme in kürzester Zeit auch mit dem Auto zu bewältigen. Auch ist es für den nächsten Versuch möglich, dort das Auto stehenzulassen und hinabzusteigen.
Noch besser könnte es aber sein, wenn eine weitere Person mit dem Fahrzeug an den Zielpunkt der Wanderung fährt und wartet, damit man sich den sicherlich erheblich anstrengenden zwei- bis dreistündigen Rückweg hoch auf das Lassithi-Plateau ersparen kann.

Insgesamt beträgt die einfache Route ca. 7 km über 500 Meter Höhenunterschied und 3-4 Stunden können veranschlagt werden.


Video von der Lassithi-Hochebene, einschließlich Panoramablick vom Wanderweg E4

Video (2 Min 40 Sek) von der Lassithi-Hochebene.


Wegbeschreibung zum Ausgangspunkt der Wanderung am westlichen Wanderweg E4


Havga-Schlucht

Die Havga-Schlucht auf der Lassithi-Hochebene ist im Gegensatz zur Ha-Schlucht einfach zu begehen.

Vor vielen Jahren war die knapp 900 Meter hoch gelegene Lassithi-Hochebene hauptsächlich wegen ihrer malerischen Windmühlen bekannt. Nachdem die Segeltücher an den alten Windmühlen verschwunden sind und die Elektrizität das Wasserpumpen übernommen hat, sind auf der landwirtschaftlich bedeutenden Hochebene vor allem die Zeus-Höhle bei Psichro der Touristen-Magnet. In der Hitze der Hochsaison kommen hier täglich unzählige Bustouristen an.

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Nicht allzu weit davon, im Osten bei den Wasserstaubecken hinter Agios Georgios, befindet sich die Havga-Schlucht. Praktisch bis zum Eingang dieses Canyons kann man auch mit dem Auto fahren und parken. Die Schlucht endet am Ostrand der Hochebene und ist Anfangs leicht zu begehen. Anschließend sind die hohen Gipfel am Südrand der Lassithi-Hochebene allerdings nur noch durch erfahrene Kletterer zu besteigen.

Havga-Schlucht

Diese zwei würden gerne wegen der Hitze durch den Zaun zum Wasser im Sammelbecken.

Man erreicht die Havga-Schlucht von Agios Georgios aus, indem man etwa 2,5 Kilometer in Richtung der südlich davon gelegenen Staubecken (Sammelbecken für das Schmelzwasser der schneebedeckten Gipfel) fährt. Dies geht am besten, indem man rund etwa 150 Meter nach der Kirche nach links in eine schmale Gasse mit dem Schild ‘Havga Canyon’ abbiegt. Bei der nachfolgenden Querstraße geht es noch einmal nach links, dann sofort nach rechts und nach weiteren 300 Metern nach links auf einen Schotterweg. Kurz darauf noch einmal rechts halten und den kleinen, braunen Schildern bis zu einem der eingezäunten, großen Wassersammelbecken folgen.
Nun fährt man den Weg weiter entlang des Zauns und am Ende des Beckens hält man sich links. Etwa 1.000 Meter weiter biegt man vor einem Weinfeld nach rechts ab und kann kurz danach auf einem Parkplatz vor einer Stauwehr am Schlucht-Eingang das Auto abstellen.

Der Höhenunterschied im einfach begehbaren Wanderabschnitt der Havga-Schlucht beträgt nur 50 Meter und für den Auf- und Abstieg können eine Stunde und 30 Minuten eingeplant werden.
Vom Parkplatz an der Stauwehr läuft man durch ein Metalltor auf einem Schotterweg in Richtung Eingang der Havga-Schlucht. Dieser noch gut befahrbare Weg endet an einem kleinen Gehege für Ziegen und andere Nutztiere und nun gibt es nur noch einen Pfad, der weiter in die Schlucht hinauf führt.
In Mitten des Schluchtbetts ragt ein großer Fels mit einem gelben Pfeil heraus, welcher die Marschrichtung vorgibt. Es folgen noch weitere Zeichen am Rande des Weges, wobei mehrfach die Seite über das ausgetrocknete Bachbett mit Kieselsteinen gewechselt wird.

Nach zwanzig bis dreißig Minuten erreicht man in einer Höhe von knapp über 900 Metern eine Weggabelung. Nach rechts ist ein Weg zur Kapelle Timos Statvros markiert. Die Schlucht verläuft aber weiterhin um das Bachbett herum und nach einer lichten Ansammlung von kretischen Ahorn und Steineichen muss man nun im Bachbett weiter marschieren.
In 923 Metern Höhe erreicht man eine massive Mauer aus riesigen Felsklötzen. Im Zentrum lassen sich diese zwar einfach überklettern, aber anschließend wird die Gegend nicht mehr allzu häufig von Menschen aufgesucht und ist daher sehr unwegsam.
Deshalb empfiehlt es sich, an dieser Stelle die Wanderung abzubrechen und umkehren.


Auch zu empfehlen: Wanderung durch das Tal der Toten bei Zakros.

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