Knossos

Knossos, der größte minoische Palast.

Knossos

Der Palast von Knossos.

Knossos liegt etwa 5 km südlich von Iraklion auf einem flachen, weitgehend künstlich errichteten Hügel, welcher in der Antike unter dem Namen ‘Tselepi’ oder ‘Kefala’ bekannt war. Dort ist der mit Abstand größte der bisher gefundenen minoischen Paläste.

Geschichte

Die Gegend war zumindest schon seit der Jungsteinzeit um 6.000 v.Chr. besiedelt gewesen. Bis zum Ende dieses Zeitalters um etwa 3.000 v.Chr. war es eine größere Siedlung in einem üppigen Gebiet auf fruchtbarem Boden, welches vom Dichter Pindar als ‘Überfluss an Bäumen’ bezeichnet wurde.
Die wenigen Reste in Knossos aus der Vorpalastzeit zeigen an, daß ein unabhängiger Gebäudekomplex um einen zentralen Hof angelegt war, von dem Ruinen aus dem Neolithikum (Jungsteinzeit) oder Vorpalastzeit vorhanden sind. Die Gebäude waren miteinander verbunden und überdachten somit den Hof, sodaß schließlich etwa um 2.000 v.Chr. ein Gebäudekomplex entstand mit einem Hof nach Norden und einem anderen nach Westen hin.
Verschiedene Erweiterungen und Verbesserungen wurden zu verschiedenen Zeiten der Vorpalatszeit durchgeführt, wodurch der erste Palast entstand, welcher aber um das Jahr 1.700 v.Chr. durch ein Erdbeben zerstört wurde.

Der Wiederaufbau des zerstörten Palastes erfolgte nach einem neuen architektonischen Plan, noch prächtiger und auf einer größeren Fläche von über 20.000 m². Die Hauptmerkmale waren Flügel an dem Gebäudekomplex. Der wichtigste Flügel befand sich im Westen, wo sich die religiösen Räumlichkeiten befanden. Die königliche Familie lebt in den Räumlichkeiten im Ostflügel und die beiden anderen nach Norden und Süden hin enthielten Nutz- und Lagerräume.

Palast von Knossos

So soll der Palast von Knossos ursprünglich ausgesehen haben.

Die mehrstöckigen Gebäude, drei Stockwerke auf der Westseite und fünf im Osten, hatten majestätische Fassaden aus geschnitzten Steinen, Marmorplatten, vielfarbigen Putz, herrlichen Fresken, prächtige Eingangstore, Gipsböden, Monumentaltreppen, bemalte Säulen und betonte Türrahmen, welche brilliant und majestätisch waren und sich gleichzeitig mit ihrer natürlichen Umgebung vermischten. Dies machte den Palast für seine beiden Aufgaben passend, nämlich zum einem als Ort, an dem die Götter lebten und zum Zweiten als Sitz der herrschenden Autoritäten, als da wären die königliche Familie und das Priestertum.

Zu diesem Zeitpunkt war der neue Palast von kleineren Herrenhäusern – wie z.B. die ‘Königliche Villa’ – und von einer gewaltigen, bis zu 100.000 Einwohner zählenden, Stadt umgeben.

Der neue Palast wurde 1.450 v.Chr. ebenfalls zerstört, vermutlich durch den gewaltigen Vulkanausbruch auf Santorini. Er wurde aber sofort repariert und bis 1.400 oder 1.380 v.Chr. als Sitz des achäischen Anführers verwendet. Womöglich wurde er auch noch bis 1.200 v.Chr. benutzt, danach war der Palast auf jeden Fall zerstört und unbewohnt.
Zu dieser Zeit war das prähistorische Knossos immer noch eine der größten Städte dieser Zeit. Dies wird durch die weitläufigen Friedhofsanlagen bezeugt, welche sich von Knossos bis in die Höhen von Profitis Ilias und Gypsades erstrecken.
Während der gesamten Zeit seiner Existenz, von der Antike bis zur römischen Eroberung, war Knossos unter diesen Namen immer noch eine der bedeutendsten Städte Kretas. Die Stadt bestand weiter bis in die früh-byzantinische Zeit, wurde aber im Laufe des Mittelalters zu einem kleinen Dorf namens Makris Toichos.

Ausgrabungen

Die Entdeckung und Ausgrabung des Palastes gehört zu den erstaunlichsten Geschichten der modernen Archäologie. Vor etwas mehr als hundert Jahren war Knossos nur ein Ort, welcher in der Mythologie existierte.

Die ersten Ausgrabungen am Palast von Knossos wurden im Jahre 1878 von einem Einwohner aus Iraklion, Minos Kalokairinos, in begrenztem Umfang begonnen. Dabei entdeckte er mehrere Magazinräume.
Der Deutsche Heinrich Schliemann und Entdecker von Troja vermutete, daß hier ein bedeutender minoischer Palast unter den verschiedenen Hügeln lag, aber ihm wurde die Erlaubnis von den örtlichen osmanischen Behörden verweigert, Ausgraben vorzunehmen oder das Gelände zu kaufen.

Nachdem die Türken Kreta verlassen mußten, erwarb der englische Archäologe Arthur Evans den als Kephala (Kopf) bezeichneten Hügel. Die Hauptstruktur des Palastes wurde bis 1903 ausgegraben. Evans leitete die Ausgrabungen und umstrittenen Restaurierungen in Knossos 25 Jahre lang. Die Arbeiten gingen mit Unterbrechungen bis 1931 weiter und Evans veröffentliche vier Bücher darüber.

Palast von Knossos

Restaurierungen im Palast von Knossos.

Evans errichtete mehrere Teile des Palastes neu und dies wurde von mehreren Historikern und Archäologen kritisiert, da er auch viele Materialen verwendete, die zur Zeit der Minoer nicht existierten, wie zum Beispiel Zement.
Dieser Wiederaufbau wurde von Evans mit der Notwendigkeit begründet, die verschiedenen zerbrechlichen Gebäude und Teile zu bewahren. Daneben ermöglicht die eindrucksvolle Restauration auch die architektonische Form des Palastes bildlich vor Augen zu führen – ein Unterschied, den man dann zu schätzen weiß, wenn man anschließend auch einen der anderen ausgegrabenen und unverändert gelassenen Paläste von Festos, Malia oder Zakros besucht.
Auf jeden Fall halten Evans kritisierte und auch belächelte Restaurierungsmaßnahmen im Wesentlichen den neusten Forschungen stand. Allerdings ist es auch klar, daß ein Großteil von Evans oberer Ebene, dem Piano Nobile, reine Vermutung ist. Trotzdem ist seine Vermutung, wie der Palast ausgesehen haben könnte, so gut wie jede andere auch.

Das Palastgelände

Der heutige Eingang zum Palast führt zu dem großen, gepflasterten Westhof, der von zwei schmalen Prozessions-Steinbrücken überquert wird. Ein Prozessionsweg führt zum Westpropylon und der andere führt schräg zum Bereich des Theaters. Die Wege wurden als Prozessionskorridore bezeichnet, da dort die Prozessionen verliefen. Auf der linken Seite des Hofes sind drei große, runde Gruben, sogenannte Kouloures, deren Bedeutung nicht genau klar ist. Aber es könnten heilige Kornspeicher gewesen sein.
An der Unterseite von den zwei Kouloures sind die Überreste von Häusern aus der Vorpalastzeit zu sehen. Zwei Altäre, einer an der Westfassade und der andere in der Nähe des Westpropylon deuten auf die Heiligkeit des Geländes hin.



Palastgelände von Knossos

Palastgelände von Knossos.

Man betritt den Palast durch den großen Propylon in der östlichen Ecke des Hofes über den langen Prozessionskorridor, der mit Wandmalereien von lebensgroßen Opferträgern geschmückt war.
Im übrigen sind im gesamten Palastgelände nur Kopien der Fresken und Gegenstände zu sehen, da sich die Originale im Archäologischen Museum in Iraklion befinden.

Dieser Korridor macht eine Wendung nach Osten, wo der Südabschnitt zerstört ist und man einen guten Blick auf das tiefer liegende ‘Südhaus’ hat. Man wendet sich vom rechts liegenden mächtigen Stiergehörn aus Porosstein nach links und kommt nach dieser weiterer Wendung beim dem großen Südpropylon an. Der Korridor führte weiter nach Osten, bis er den anderen Korridor traf, der vom Zentralhof zum Südtor ging.

Die breite Treppe führt zum Obergeschoss des heiligen Westflügels, dem sogenannten Piano Nobile, dessen Rekonstruktion allerdings umstritten ist. Evans bezeichnete den Bereich so, da sich die Festsäle und das Heiligtum dort befanden.
Es gibt dort eine Reihe von quadratischen Räumen mit zwei Säulen und einen großen mit sechs Säulen, dem ‘Dreiteiligen Heiligtum’. Die ganze Ebene war mit Wandmalereien aus religiösen Motiven verziert.

Es gibt einen weiteren Zugang zum ‘Piano Mobile’ über die Treppe auf der Westseite des Zentralhofes. Südlich der Treppe befinden sich kleine Wohnungen von religiösem Charakter, deren Fassade zum Zentralhof die Form eines dreigliedrigen Schreins hat und im Norden der Vorraum zum Thronsaal mit Kultbad. Dort gibt es vier Stufen, niedrige Bänken an den Wänden, ein Becken aus Porphyr und in der Mitte war ein hölzerner Thron, von dem nur noch ein verkohltes Stück Holz gefunden wurde.

Thronsaal des Minos

Der Thronsaal des Minos mit Fresken.

Dahinter befindet sich der faszinierende Thronraum mit Freskenschmuck. In der Mitte der Nordseite ist der einzigartige, rosafarbene, aus einem Block aus Alabasterstein herausgearbeitete, Thron des Minos. An den Wänden des Raumes verlaufen Steinbänke. Gegenüber dem Thron ist ein Lustbecken und ein kleiner Raum an der Rückseite, welcher wohl zur Lagerung von Gegenständen verwendet wurde.

Die westlichsten Räume im Erdgeschoss bestanden aus 18 langen und schmalen Abstellräumen hinter einem Korridor, welcher parallel zum Zentralhof verläuft. Über dem ‘Piano Nobile’ befinden sich zwei Räumlichkeiten. Die südliche davon wird die ‘Große Halle’ genant und im Norden die ‘Heilige Halle’.

Ein mehrstöckiges Gebäude, in welchem sich die königlichen Gemächer befanden, war an der Ostseite des Zentralhofes vorhanden. An dieser Stelle fällt das Gelände zum Fluss Kairatos ab, sodaß erst das dritte Stockwerk den Level des Zentralhofes erreichte und das Gebäude besaß zumindest noch ein weiteres Stockwerk. Dort ist ein großes Treppenhaus von der Art, welche in Europa erst wieder während der Barockzeit erschaffen wurden. Ursprünglich bestanden die Säulen aus Zypressenholz, wobei der Durchmesser im oberen Schaftabschnitt zunimmt. Es gab auch Veranden mit Freskenschmuck an den Wänden an der Nord- und Ostseite, welche zu den königlichen Gemächern führten.
Die unteren Stufen der Treppe wurden intakt vorgefunden, während die anderen rekonstruiert wurden.


Die Gemächer des Königs bestanden aus einer Gruppe von großen Räumen mit der ‘Halle der Doppeläxte’ im Zentrum, einem Raum mit einem für die Minoer typischen Polythyra (‘viele Türen’), welche den Raum erweitern und mit Licht und frischer Luft füllten. Von der angeschlossenen Loggia hat man einen herrlichen Überblick über das tief eingeschnittene Flusstal.

Weiter südlich führt ein gebrochener Linienkorridor zu den kleineren Wohnungen für die Frauen der königlichen Familie. Der wichtigste Raum ist das luxuriöse Zimmer, das man das ‘Megaron der Königin’ nennt. Weiter westlich führt ein weiterer Korridor zum ‘Boudoir der Königin’ mit einem Wasserabfluss und auch einer Toilette mit Wasserspülung. Diese Zimmer waren reichlich mit Fresken von Delphinen, Tänzerinnen und Spiralen dekoriert.

Lagerräume Knossos

Lagerräume mit Tongefäßen.

Die königlichen Werkstätten, welche die Traditionen der Vorpalastzeit fortführten, befanden sich im nördlichen Teil an der Ostseite. Die bedeutendsten Wohnungen in den Werkstätten waren die der Steinhauer, der Töpfer und eine Werkstatt für die Siegelmacher. Außerhalb des Palastes wurde eine Anlage zur Erzschmelze für die Herstellung von Bronzewerkzeugen gefunden.
Weiter nördlich befinden sich Abstellräume mit riesigen Tongefäßen.

Auf der Nordseite des Zentralhofes befindet sich ein zur restaurierten Westbastion hinunter führender Aussenkorridor, mit einer Rampe im Westen und einem Relieffresko eines Stiers. Dieser endet in einem großen Saal mit acht Säulen, welcher als ‘Zollstation’ bezeichnet wurde, da hier die gepflasterte Strasse von den beiden Häfen Amnisos und Katsambas endete.
Gegenüber, im Westen, ist das Nordtor des Palastes.

Östlich des Nordtors ist ein weiteres Lustbecken und ein Zimmer mit einer Polythyra-Tür und zwei Säulen. Weiter westlich führt eine Prozessionsstraße zum Theatergebiet mit Stufen auf zwei Seiten und einer bastionähnlichen Struktur in einer Ecke, von der man annimmt, dass sie die königliche Loggia gewesen ist. Eine königliche Straße führte zwischen bedeutenden Gebäuden hinweg zum ‘Kleinen Palast’.

Rund um den Palast waren eine ganze Reihe von Gebäuden von ähnlichem architektonischen Charakter errichtet, die den höchsten Beamten oder Würdenträgern des Priestertums gehören mußten. Westlich ist der ‘Kleine Palast’, nordöstlich die ‘Königliche Villa’, südwestlich das Haus des Hohepriesters, dass ‘Südhaus’ und verschiedene mehr.

Mehr Bilder vom Palast von Knossos:

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Besuch

Öffnungszeiten: Von Juli bis September täglich von 8 bis 20 Uhr. Im Mai, Juni und Oktober Montags bis samstags von 8 Uhr bis 18 Uhr, sonntags von 8 bis 15 Uhr. Von November bis April täglich von 8:30 Uhr bis 15 Uhr.
Eintritt 6 € (mit Kombi-Ticket für das archäologische Museum in Iraklion 10 €).

Knossos ist auch per Bus aus Iraklion leicht zu erreichen. Allerdings muß aufgrund der enormen Besucherzahlen von etwa 600.000 pro Jahr mit einer großen Menschenmenge, insbesondere während der Hochsaison, gerechnet werden. Es empfiehlt sich daher im Hochsommer, den Besuch in den letzten paar Stunden vor Schließung durchzuführen, wodurch man sich die größten Menschenmassen und gleichzeitig größte Hitze erspart. Außerdem gibt es auch einige organisierte Besichtigungsausflüge mit Führung und Hotelabholung per Bus nach Knossos.

Alle auf dieser Seite aufgenommen Fotos und Videos stammen im übrigen entweder aus dem Winter oder zu Beginn der Touristensaison Anfang Mai, wo es relativ wenige bzw im Winter kaum Besucher gibt.


Video von Knossos

(Dauer 2 min 7 sec)


Wegbeschreibung nach Knossos

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