Gortis

Gortis, die zerstörte römische Stadt auf Kreta.

Ruine der Titus-Kirche in Gortis

Die Ruine der Titus-Kirche in Gortis. Sie wurde wahrscheinlich dort errichtet, wo Titus, erster Bischof von Kreta, von den Römern hingerichtet wurde.

Geschichte von Gortis

Gortis war eine der bedeutendsten Städte auf Kreta bis zu ihrer vollständigen Zerstörung durch die Sarazenen im Jahr 823-827. Die Stadt war auf beiden Seiten des Flusses Lithaios angelegt und existierte seit der minoischen Zeit. Anfangs spielte Gortis keine bedeutende Rolle, wird aber von Homer und Pausanias erwähnt.

Im 8. Jahrhundert v. Chr. wurde Gortis unter der Herrschaft der Dorer zu einer wichtigen Wirtschaftsmetropole und im 3. Jahrhundert v.Chr. eroberte Gortis schließlich das ehemalige beherrschende Festos und wurde damit zur wichtigsten Stadt in der Mesara-Ebene mit den zwei Häfen in Levina und Matala. Während des hellenistischen Zeitalters hatte sie schon gute Beziehungen zu den Ptolemäern.

Die Bevölkerung war in drei strenge Kasten eingeteilt: Bürger (vorwiegend Dorer) herrschten über die Klasse der Leibeigenen (welche vorwiegend aus den ehemaligen ‘minoischen’ Kretern bestand) und den Sklaven auf der untersten Hierarchie. Jedoch war das Leben selbst für die Bürger ähnlich hart wie im klassischen Sparta.

Gesetzestafeln mit den Stadtrechten

Die Gesetzestafeln mit den Stadtrechten von Gortis.

Zeugnisse darüber werden durch die erhaltenen, beeindruckenden Stadtrechte geliefert, welcher dort gefunden wurden und welche schon die Römer als erhaltenswerte Antike angesehen haben. Dazu gibt es auch aus diesem Zeitalter auch Verträge zwischen Gortis und den Rivalen, insbesondere Knossos.

Später floh Hannibal nach seiner Niederlage gegen die Römer dorthin, wo er sich vorübergehend aufhalten konnte.
Gortis half später den Römern bei der Eroberung von ganz Kreta und unter römischer Herrschaft erreichte die Stadt im Jahr 67 v.Chr. ihren Höhepunkt, als sie der Sitz des römischen Präfekten der zusammengelegten Provinz von Kreta und der Cyrenaica in Nordafrika wurde.

Das Christentum erreichte Kreta zuerst an diesem Ort, als Titus von Paulus auf dem Weg nach Rom hier zurückgelassen wurde, um die Kreter zu christianisieren. Titus wurde so zum ersten Bischof von Kreta.

Um 200 v.Chr. erhielt die Großstadt Gortis eine Stadtmauer. Durch die Invasion der Sarazenen bei Matala und der Belagerung von 823 bis 827 wurde die Stadt vollständig zerstört und aufgegeben und es blieb nur noch ein Bischofssitz nach der späteren Vertreibung der Sarazenen übrig.
Da die Stadt nie mehr aufgebaut wurde, befinden sich die Ruinen – von denen bisher nur ein kleiner Teil ausgegraben wurde – noch weitestgehend im Zustand zur Zeit ihrer Zerstörung vor rund 1.200 Jahren.

Besuch von Gortis

 Parkplatz an der Titus-Kirche von Gortis

Der Parkplatz an der Titus-Kirche von Gortis.

Die Überreste der antiken Großstadt Gortis sind über eine große Fläche verteilt und liegen rechts und links von der Straße. Die bisher ausgegrabenen oder immer noch sichtbaren Teile umfassen einen viel größeres und noch beeindruckendes Areal, als der kleine, umzäunte Bereich an der Strasse von der Ortschaft Ayii Dehka aus, den die meisten Besucher nur zu Gesicht bekommen.

Der Eintritt beträgt 4.- € pro Person in den umzäunten Bereich, alle anderen Teile sind frei und jederzeit zugänglich. Die Öffnungszeiten des umzäunten Bereichs sind im Juli und August täglich von 8 bis 20 Uhr, im April bis Juni sowie September und Oktober von Montag bis Samstag von 8 Uhr bis 16 Uhr und sonntags von 8 bis 15 Uhr. In allen anderen Monaten von 8 bis 15 Uhr.



Den besten Eindruck von der Größe und ehemaligen Macht der Stadt erhält man, wenn man die Pfade südlich der Hauptstrasse und des umzäunten Gebietes aufsucht (entlang der Abzweigung nach Patanos und Ledndas gehen und dann nach links auf einen der Pfade einbiegen). Über eine Strecke von etwa 1 Kilometer kommt man an allen wichtigen Gebäuderesten vorbei. Am südlichsten und etwa 500 Meter vom umzäunten Gelände entfernt, befinden sich die eindrucksvollen Reste des ehemaligen Stadions (Rennbahn).

Oberhalb des umzäunten Geländes, westlich von Fluß Mitropolitanos, welchen man am besten über die Brücke der Hauptstrasse überquert, kann man das alte Theater erreichen. Zu den Zeiten, in denen die Stadt noch existierte, verlief der Fluß in einem Kanal unter der Oberfläche.
Von dort kann man auch – aber etwas mühsam – zur ehemaligen Akropolis hinaufsteigen, wovon man einen herrlichen Überblick über das Gelände hat. Auch die Reste eines Aquädukt befinden sich in den oberhalb der Stadt liegenden Hügeln.

Hauptbereich

Statuen Gortis

Ausstellung von in Gortis gefundenen Statuen.

Wenn man auf dem kleinen Parkplatz vor der nicht zu übersehenden Titus-Kirche anhält, fällt einem auch sofort der gegenüberliegende, 1.600 Jahre alte Olivenbaum auf, welcher aus den Ruinen heraus gewachsen ist.
Neben dem Parkplatz befindet sich auch ein Pavillon mit einem Cafe, bei welchem eine Sammlung von in der Stadt ausgegrabenen Statuen ausgestellt ist, welche deren hohen zivilisatorischen Stand belegen.

Titus-Basilika

Die Ruine der Titus-Basilika ist das wichtigste Wahrzeichen des ehemaligen Gortis und worauf der Besucher als erstes achtet. Dies ist der einzige Teil der Kirche, welcher intakt zurückgeblieben ist. Als die Kirche etwa am Ende des 6. Jahrhunderts erbaut wurde, war sie die größte auf Kreta und es ist das besterhaltene Exemplar einer frühen christlichen Kirche in der gesamten Ägäis.
In dem nördlichen Seitenarm befindet sich ein kleiner Altar, aber vom Kirchenschiff sind nur die Grundmauern und Säulenstümpfe erhalten geblieben, welche das Monogramm des byzantinischen Kaisers Justinian aus dem 6. Jahrhundert tragen.

Odeon

 Odeon von Gortis

Das Odeon von Gortis. Im Gebäude rechts befinden sich die Gesetzes-Tafeln.

Hinter der Kirche liegt das Odeon in Form eines römischen Theaters mit seinen berühmten Stadtrechten. Es wurde ursprünglich durch ein Erdbeben zerstört und im 3. Jahrhundert wieder aufgebaut.
In einer Rückwand des halbrunden Zuschauerraumes wurden die berühmten Steinblöcke mit den Stadtrechten eingelassen, welche schon den Römern als bewahrenswerte Antike galten und heute hinter Gittern geschützt zu sehen sind.

Der Gesetzestext ist in eine Reihe von Steintafeln eingraviert und 9 Meter lang und 3 Meter hoch und datiert etwa aus dem Jahr 500 v.Chr.
Es sind eigentlich eher praktizierte Verfahrensweisen als Gesetze, welche einen tiefen Einblick in die Gesellschaft des antiken Zeitalters gewähren.

Dieses Stadtrecht wurde in einem einfachen dorischen Dialekt geschrieben, von links nach rechts und dann umgekehrt und die Zeichen spiegelverkehrt gelesen, sodaß die Augen dem Text ohne weiteres folgen konnten.
Es handelt sich um den längsten erhaltenen Text mit alten griechischen Inschriften in Griechenland, welche im altdorischen Dialekt verfasst sind und den die Römer wahrscheinlich gar nicht lesen konnten. Trotzdem war die Rechtsprechung der Minoer schon berühmt und die Rechtsprechung auf Kreta galt in der Antike als vorbildlich.

Es gab unterschiedliche Regeln für die drei Klassen von Bürgern, Leibeigenen und Sklaven. So wurden z.B. fünf Zeugen benötigt, um einen Bürger eines Verbrechens zu überführen, während nur einer für einen Sklaven benötigt wurde. Für eine Vergewaltigung eines Bürgers belief sich die Strafe auf 100 Staters, während dies bei einem Leibeigenen sich auf nur fünf Staters belief.

Die Regeln beschäftigen sich auch mit dem Eigentums- und dem Erbrecht, Ehebruch, Scheidung, den Status von Kindern aus gemischten Ehen zwischen Bürgern und Leibeigenen und der Kontrolle über den Handel.

Mehr Fotos von Gortis:

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 'Immergrüne Platane' von Gortis

Die ‘Immergrüne Platane’ von Gortis.

Immergrüne Platane

Nördlich hinter dem Odeon befindet sich die Reste einer venezianischen Wassermühle und die ‘Immergrüne Platane’ von Gortis. Angeblich soll unter ihr der griechische Götterkönig Zeus mit Europa seine Hochzeit gefeiert und Minos gezeugt haben.

Akropolis

Die anderen Teile von Gortis sind immer frei zugänglich, allerdings zum Teil umzäunt. Westlich vom Fluß, den man über die Strassenbrücke überquert, findet man die Reste einer verlassenen, mittelalterlichen Mühle und ein größeres griechischen Theater, leider in einem schlechten Zustand. Zu römischer Zeit führte der Fluß hier durch einen unterirdischen Kanal, sodaß man direkt zwischen den Bereichen hin- und hergehen konnte.

 Blick vom Hügel mit der Akropolis

Ein Blick vom Hügel mit der Akropolis auf den Hauptbereich von Gortis.

Nur wenige nehmen die Mühe auf sich, zur Akropolis auf dem dahinter liegenden Hügel aufzusteigen. Am besten folgt man den Pfaden, welche am Fluß entlang aufsteigen. Die Ruinen sind ziemlich eindrucksvoll, umgeben von einem römischen Verteidigungswall, immer noch an manchen Stellen 6 Meter hoch.

Die anderen Überreste stehen auf einem alten griechischen Tempel, welcher später zu einer Kirche umgebaut wurde. Von der Spitze des Hügels hat man einen guten Überblick über das ehemalige Gortis mit seinen bisher ausgegraben Teilen. Auch erkennt man den Verlauf des alten Aquädukts, welches von Norden das Trinkwasser heranführte.

Ruinen der Römischen Stadt

zerborstene Reste von Säulen

Überall kann man zerborstene Reste von Säulen finden.

In den Feldern südlich der Hauptstrasse und des umzäunten Geländes befinden sich die bisher ausgegrabenen oder noch über der Erde sichtbaren Überreste der alten römischen Provinzhauptstadt.
Diese erstrecken sich vom westlichen Ende des Dorfes Ayii Dheka bis zum Fluß Mitropolitanos (damals Lethe) und von den Hügeln im Norden nach Süden zu dem heutigen Weiler von Mitropolis, wo eine römische Basilika mit gut erhaltenem Mosaik-Boden (nun zum Schutz abgedeckt) ausgegraben wurde.

Überall in diesem Bereich liegen zerborstene römische Säulen und Marmor herum und Ruinen sind überall verteilt zu finden. Ganz im Süden sind die Überreste des alten Stadions noch deutlich zu erkennen. Es ist ein ganz fantastisches Gefühl, die untergegangen Stadt auf einem Spaziergang über die gut zu begehenden Pfade wiederzuentdecken, wobei es aber im Sommer hier ziemlich heiß werden kann.

Prätoriums von Gortis

Ein Blick auf einen Teilbereich des ehemaligen Prätoriums von Gortis.

Vom Sitz des römischen Stadthalters von Kreta und Kyrene (Cyrenaica) – das Prätorium – sind die meisten Überreste zu sehen, welches ursprünglich im 2. Jahrhundert n.Chr. errichtet wurden, dann aber im 4. Jahrhundert neu aufgebaut und zur Zeit der Ankunft der Venezianer als Kloster verwendet wurden. Im selben umzäunten Bereich liegt das Nymphaeum mit seinen Fontänen, wo das Aquädukt das Wasser aus der heutigen Region von Zaros herangebracht haben muß.
Es wurden auch viele Bauteile von Nachbargebäuden ausgegraben, was darauf schließen läßt, daß in der Nachbarschaft unter den Olivenbäumen noch viel mehr zum Entdecken unter der Erde schlummert.

100 Meter weiter westlich befindet sich der Apollo-Tempel mit Wasserbecken, die wichtigste Kultstätte einer römischen Stadt. Der Tempel wurde später in eine Kirche umgewandelt, währen das nahe gelegene, kleinere Theater sehr gut erhalten ist. Weitere 50 Meter nördlich davon befinden sich die Überreste des Isis- und Serapis-Tempel.

Stadion von Gortis

Mauerreste vom Stadion von Gortis.

Weiter im Süden gibt es noch Bäder, ein Amphitheater und die Reste des Stadions (Rennbahn) sind zu erkennen.

Die Wanderung durch die Ruinen fasziniert auch durch die Erkenntnis, mit welcher Kraft die Natur in der Zeit ihr verlorenes Terrain zurückerobert hat und der Gedanke, daß nur einen halben Meter unter der Oberfläche die Reste der ehemals großen Stadt mit weiteren Statuen von Göttern und Kaisern, Fragmenten von Säulen und Mosaikfußböden liegen.


Video von Gortis

Video von der Titus-Kirche, Rückseite des Odeons mit der ‘Immergrünen Platane’ und Impressionen vom Ruinenfeld der ehemaligen römischen Provinzhauptstadt.


Wegbeschreibung nach Gortis


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