Geschichte Kretas

Die Geschichte von Kreta (Teil I) von der Altsteinzeit, über die Jungsteinzeit (6.100-2.700 v. Chr.) zur Vorpalastzeit in der Bronzezeit.

Knossos

Das minoische Knossos, bekanntester Höhepunkt der Geschichte Kretas.

Die Entdeckung der minoischen Zivilisation auf Kreta hat dazu geführt, jeden anderen Aspekt der langen Geschichte dieser Insel zu vernachlässigen. Tatsächlich ist es für jedes andere Zeitalter der Geschichte schwer, mit der ersten wirklichen Zivilisation auf europäischem Boden zu konkurrieren.
Der Zivilisation-Sprung durch die Minoer war aber kein Zufall, denn Kreta liegt so zentral im östlichen Mittelmeer, dass die bereits entwickelten Kulturen des Ostens und Südens auf die Einflüsse aus dem Westen und Norden treffen konnten. Daher entstand hier die erste ‘westliche Kultur’, die der Ausgangspunkt für das klassische Griechenland und das Römische Weltreich wurde.

Deshalb spielte die Insel aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage im Mittelmeer in der Geschichte öfters eine bedeutendere Rolle, als sich das ihre Einwohner gewünscht haben dürften.

Griechische Schriftsteller der klassischen Antike überlieferten die ersten Informationen über Kreta. So erwähnt Homer, dass Minos, Sohn von Zeus und Europa, sich mit seinem Vater beraten hat, der ihn das Gesetz lehrte und sein Königreich alle neun Jahre erneuerte. Minos war gerecht und weise und zusammen mit seinem Bruder Radamanthys verbannte er Seelen in die Unterwelt. Hier wird die Insel zum ersten Mal als Kreta erwähnt.

Die griechische Sage spricht von der großen Seemacht eines mächtigen Königs in Knossos. Thucydides erwähnt auch, dass eine Thalassokratie das Meer von karischen Piraten gesäubert hat. Eine Sage aus Athen berichtet von Theseus und dem Minotaurus und Diodorus schreibt über Minos, wie er Daidalus nach Sizilien verjagt hat, um ihn zu bestrafen.

Die griechischen und ausländischen archäologischen Schulen haben nach Ausgrabungen, die praktisch ein ganzes Jahrhundert dauerten, die Entwicklung des Lebens und der verschiedenen Phasen der minoischen Zivilisation auf Kreta offengelegt. Diese Zivilisation existierte nicht weit von dem Gebiet, in dem die ägyptische Zivilisation entstanden ist, neben den bereits seit langem florierenden Zivilisationen des Mittleren Ostens. Es war die erste bedeutende Zivilisation auf dem europäischen Kontinent, welche sich dort zusammen mit ihrer Kultur und Kunst entwickelte.

Die Chronologie von der Vorgeschichte bis zur Geschichte Kretas ist in Abschnitten unterteilt, die sich nach den in dieser Periode verwendeten Materialien zur Herstellung von Waffen, Werkzeugen und verschiedenen anderen Gegenständen richtet.
Der Schritt von der Steinzeit zur Bronzezeit war der bedeutendste und der wichtigste Fortschritt in seiner Geschichte. Evans als Begründer der minoischen Archäologie, bezeichnete das Ergebnis als die ‘minoische Zivilisation’.
Mit einem Chronologie-System, das auf der Entwicklung der Keramikstile basiert, teilte er dieses Zeitalter in drei große Perioden ein: das frühminoische (EM), das mittelminoische (MM) und das spätminoische (LM), die jeweils nochmals in drei Phasen unterteilt waren (I, II, III).

Professor N. Platon, ein weiterer bedeutender Forscher, schlug ein anderes System der Chronologie vor, welches auf den wichtigsten Ereignissen basiert und nach der Steinzeit von dem Umstand abhängig war, ob es Paläste gab oder nicht. Er nannte dies die Vorpalastzeit, die Zeit der alten Paläste, die Neupalastzeit und die Nachpalastzeit und teilte diese jeweils in drei Phasen ein. Dieses neuere System der Chronologie ist in der Wissenschaft heute üblich und wird hier verwendet.


Altsteinzeit

Kronos-Höhle

Die Kronos-Höhle auf der Lassithi-Hochebene war zumindest seit der Jungsteinzeit immer wieder bewohnt und die Toten wurden im hinteren Bereich beigesetzt.

Bis vor einiger Zeit fielen die ersten klareren Spuren einer menschlichen Präsenz auf der Insel, die durch archäologische Forschungen bestätigt werden konnten, in die Vorkeramikzeit während des Übergangs zum Neolithikum.
Aber wissenschaftliche Forschungen in den 1960er Jahren haben Spuren menschlicher Aktivitäten auf der Insel entdeckt, die auf das Paläolithikum, 8.000 v. Chr. oder noch früher, zurückgehen können.

 

Die ersten Bewohner Kretas, Höhlenbewohner aus dem Neolithikum, erreichten die Insel offenbar vor 7.000 v.Chr.
Sie kamen höchstwahrscheinlich aus Kleinasien oder weniger wahrscheinlich aus Syrien, Palästina oder Nordafrika und brachten die Grundlagen der steinzeitlichen Kultur mit – Werkzeuge aus Holz, Stein und Knochen, Rohkeramik und einfaches Tuch.

In dieser Periode wurden einige Höhlen auf Kreta zeitweise bewohnt, wobei die Toten im hinteren Bereich beigesetzt wurden.
Die Entwicklung in den nächsten dreitausend Jahren verlief fast unmerklich langsam, aber allmählich, ob durch neue Einwanderungen und deren Einflüsse oder durch Dynamiken auf der Insel selbst, wurden Fortschritte erzielt.

Jungsteinzeit (6.100-2.700 v. Chr.)

Archäologisches Museum von Iraklion

Töpferwaren und erste Metallgegenstände aus der Jungsteinzeit im Archäologischen Museum von Iraklion.

Die wichtigsten Informationen aus dieser Periode stammen aus der Siedlung von Knossos, einer der wichtigsten Siedlungen im östlichen Mittelmeerraum und in Europa, die unter und um den minoischen Palast freigelegt wurde.
Von Anfang an versuchten die neolithischen Bewohner dauerhafte Siedlung mit einem organisierten gesellschaftlichen Leben in Häusern aus Ziegeln, Zweigen und Lehmmörtel anzulegen. Gleichzeitig verwendeten sie aber auch noch Höhlen.

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Sie betrieben Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei, wobei die Arbeiten zwischen Männern und Frauen aufgeteilt war. Ihre Zivilisation entstand zu einer Zeit, wo sie gemeinsame kulturelle Verbindungen mit den neolithischen Zivilisationen des Ostens und Griechenlands hatte. Sehr schnell aber wich sie von diesen ab und es entstanden eigene Formen.

Die Menschen der Jungsteinzeit benutzten Waffen und Werkzeuge aus Steinen und Knochen und stellte Tontöpfe und Figuren her. Am Ende der Periode bestanden die Häuser bei Knossos aus mehr als einem Raum und mit Kieselsteinöfen innerhalb einer organisierten Siedlung. Es entstanden Töpferwaren und kleine Ton- und Steinfiguren wurden hergestellt. Die ältesten Exemplare der Töpferei wurden bei Knossos gefunden.

Es gibt aber nur fragmentarische Informationen über die soziale und religiöse Organisation. Die Familie, in ihrer rudimentärer Form, muss die Grundlage der Siedlungen gebildet haben. Falls es Führer gab, waren sie die Ältesten oder das religiöse Oberhaupt.

Neue Siedlungen aus dem Mittelneolithikum (3.800-3.500 v. Chr.) wurden bei Gortis, Magasa, Sitia und bei Katsambas – nahe Iraklion – entdeckt.

Überreste der Siedlungen von Knossos

Überreste der Siedlungen bei Knossos aus der Vorpalast- und Jungsteinzeit.

Während des Spätneolithikums (3.500-2.700 v. Chr.) gab es Siedlungen fast auf der gesamten Insel und die Häuser wurden ständig benutzt. Die Töpferei wurde einfacher und die Oberflächen poliert. Gefundenes Obsidian und Elfenbein zeugen von den Handelsbeziehungen Kretas zu den Kykladen und dem Osten.

 

Um 3.000 v.Chr. hatte die Siedlung von Knossos etwa eine Größe von 25.000 m² erreicht. Am Ende der Jungsteinzeit standen die Häuser dort auf starken Fundamenten mit kräftigen Mauern und jeder Haushalt hatte Hofmauern, Öfen und Herde, Kieselböden und Sitzbänke.


Bronzezeit

Vorpalastzeit (2.600 – 1.900 v.Chr.)

Archäologisches Museum von Iraklion

Fundstücke aus der Vorpalastzeit von 3.300 bis 1.900 v.Chr. im Archäologischen Museum von Iraklion.

Die ersten Bronzeobjekte fanden sich in subneolithischen Schichten aus der Zeit etwas Mitte des dritten Jahrtausends v.Chr während der eigentlichen Jungsteinzeit.
Dies beweist, dass die damaligen Bewohner Kretas bereits Metalle und ihre Verarbeitung kannten, obwohl der Stein als Werkmaterial noch lange Zeit weiterverwendet wurde, bis er schließlich aufgegeben wurde.

 

In den Jahrhunderten vor 2.600 v.Chr. fanden wichtige Veränderungen auf der Insel statt und danach gab es rasante Fortschritte auf praktisch allen Gebieten des menschlichen Lebens. Es entstanden Dörfer und Ortschaften, wo es zuvor nur vereinzelte Siedlungen gab. Erstmals entstanden auch neue Siedlungen an der Küste und in der Nähe natürlicher Häfen.
Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass diese rasanten Veränderungen die Ursache in einer neuen Einwanderungswelle aus dem Osten hatte. Diese Menschen brachten das Wissen der Landwirtschaft, Töpferei und vor allem der Seefahrt und des Handels mit sich. So kamen erstmals auch die Produkte Oliven und Wein auf.

Die ersten beiden Jahrhunderte der Vorpalastzeit von 2.600 bis 2.400 v.Chr. werden als Sub-Neolithikum bezeichnet. Dies war eine Übergangszeit, wie die Keramikfunde zeigen.
Die Neolithische Stile entwickelten sich zu den Stilen Pyrgos, Ayios Onouphrios und Levina. Die Vasen wurden in geschlossenen Öfen gebrannt. Nicht viele Beispiele dieser Arbeiten sind erhalten geblieben, aber die neolithischen Bautechniken müssen fortgesetzt worden sein, ebenso wie das Bewohnen von Höhlen gleichzeitig mit dem Leben in Hütten. Die Toten wurden in Höhlen begraben, während gleichzeitig die runden, tholosischen Gräber (Kuppelgräber) auftraten.

Die zweite Phase der Vorpalastzeit von 2.400 bis 2.100 v. Chr. ist die wichtigste für die Entwicklung der Zivilisation.
Es wurden bedeutende Fundstücke aus den Siedlungen Vasiliki und Myrtos in der Gegend von Ierapetra ausgegraben, welche den Wandel im Lebensstil und die Fortschritte bei Bauarbeiten aufzeigen.
Kuppelgräber wurden an verschiedenen Orten in der Ebene von Mesara und in begrenztem Umfang auch in anderen Teilen Kretas gefunden. Diese Gräber sind frei stehende Räume für die Bestattung vieler Familien oder Generationen. In Ostkreta erfolgten die Bestattungen in kleinen, umbauten Anlagen mit zwei angrenzenden Räumen oder in kleinen Tongefäßen und kleinen, lehmigen rechteckigen oder ellipsenförmigen Särgen.

Primitive Töpfer-Scheiben tauchten erstmals auf, sodass die Stile des kommenden Zeitalters entwickelt werden konnten. Dabei war Vasiliki ein neuer Stil aus der gleichnamigen Region. Aber was aus dieser Zeit wirklich auffällt, sind die polychromen Steinvasen aus weichen oder harten, mehrfarbigen Steinen mit künstlerischem Design und einer wunderbaren Ausnutzung der Venen.
Es gibt auch andere Kunstrichtungen und Beispiele davon stammen aus den Gräbern von Mochlos und Mesara, wo Goldschmuck im Einlegeverfahren sowie filigrane und granulierte Arbeiten gefunden wurden. Kleine Figuren, Siegel aus Elfenbein und Speckstein in einer großen Vielfalt von Formen erschienen bei den Miniaturarbeiten.

Archäologisches Museum von Iraklion

Figuren in menschlicher Form von 2.600 bis 1.900 v.Chr., von denen die herausragendsten von den Kykladen stammen.

In den letzten zwei Jahrhunderten zwischen 2.100 bis 1.900 v. Chr., entstanden neue Siedlungen und es kam zu Bevölkerungsverschiebungen. Die Grabarchitektur blieb unverändert und es gab eine Entwicklung und Modifikation der Töpferstile aus der vorherigen Phase, wobei die Anzahl der Steingefäße zurückging. Auch gab es einige Verbesserungen im Miniaturschmuck. Die Siegel-Skulpturen erweiterte sich um viele Formen und faszinierenden Themen und am Ende der Periode kam auf den Siegeln erstmals eine Art Schrift auf, die mit den gemalten Darstellungen kombiniert war.
Diese Siegel wurden verwendet, um die Echtheit der ersten Dokumente zu bescheinigen; aber vor allem um Kisten, Pakete und Türen zu versiegeln, als Zeichen dafür, dass sie nicht unberechtigt geöffnet wurden. Deshalb waren diese Siegel zur Abschreckung oft in der Form von Skorpionen oder giftigen Spinnen.

 

Die tief greifenden Veränderungen, die mit der Einführung von Metallen einhergingen, führten zu einem Anstieg des Handels, zur Errichtung von Beziehungen zu anderen Gebieten und zu einem Wandel im sozialen, politischen und religiösen Leben. Es entstanden neue soziale Klassen wie Seeleute und Kaufleute und sogar neue Berufe. Diese neue Ordnung setzte eine richtunggebenden Führung voraus. Es etablierten sich Herrscher, welche aus den mächtigsten Familien stammen mussten. Gleichzeitig wurde die Verehrung der ‘Großen Göttin’ (zum Beispiel die ‘Göttin der Fruchtbarkeit’ in Ierapetra) systematisiert.

Hier zu Teil II: Palastzeit.

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