Kategorien: Iraklion

Archanes, südlich von Iraklion

Archanes, Aquädukt, Gräberfeld von Fourni, Menschenopfer von Anemospilia und minoische Gutshof-Villa Vathypetro in der Weinbauregion südlich von Iraklion. Besichtigungen südlich von Iraklion: Aquädukt von Iraklion…

Archanes, Aquädukt, Gräberfeld von Fourni, Menschenopfer von Anemospilia und minoische Gutshof-Villa Vathypetro in der Weinbauregion südlich von Iraklion.

Herrlicher Blick auf das Weinbaugebiet südlich von Iraklion von der minoische Gutshof-Villa Vathypetro.

Besichtigungen südlich von Iraklion:

Aquädukt von Iraklion

Aquädukt von Iraklion.

Wenn man von Iraklion über Knossos nach Süden fährt erreicht man nach etwa 7 km die venezianische Brücke von Ayia Irini, wo man die Reste eines außergewöhnlichen Aquädukts sieht, welches Iraklion einmal mit frischem Wasser versorgte.
Das Aquädukt hat eine mittelalterliche oder sogar antike Erscheinung, ist aber in Wirklichkeit keine zwei Jahrhunderte alt. Es wurde in der kurzen Zeit der ägyptischen Verwaltung von Kreta in den Jahren 1832 bis 1840 errichtet.

Etwas weiter, bei der unscheinbaren Kreuzung wo man nach Archanes abbiegt, wurde im 2. Weltkrieg am 26. April 1944 der deutsche Kommandant von Kreta, General Kreipe, von britischen und kretischen Agenten entführt und später nach Ägypten gebracht. Die Stelle ist nun mit einem Denkmal markiert.

Archanes

Nach weiteren 6 km erreicht man Kato Archanes und 500 Meter weiter Epano Archanes, welches eine wunderschöne, historische Ortschaft mit vielen neoklassischen Gebäuden und das Handelszentrum dieser Weinbau-Region ist. Von Heraklion aus gibt es auch Tagesausflüge in die Weinbaugebiete.

Kirchen
Panagia-Kirche in Archanes.

Es gibt viele Kirchen mit Fresken in und um Archanes und in der Ruinen-Siedlung von Asomatos gibt es eine kleine, gewölbte Kirche, welche dem Erzengel Michael geweiht ist und bemerkenswerten Wandmalereien von 1315 hat.
Die Kirche Agia Triadha mit ihren byzantinischen Fresken befindet sich am Rande von Archanes und die Kirche von Asomatos im Osten, wo die hervorragenden Werke des 14. Jahrhunderts eine grausame Darstellung der Kreuzigung und vom Fall von Jericho mit Joshua in voller mittelalterlicher Rüstung zeigen.

Am besten sucht man sich jedoch erst einmal einen Parkplatz bei der nicht zu übersehenden Panagia-Kirche in der Nähe des Postamtes, da es hier viele Einbahnstraßen und verwinkelte Gassen gibt. Diese Kirche hat eine Glockenarkade und Ikonen.

Minoischer Palastbezirk

Von der Panagia-Kirche folgt man der Straße nach Süden und hält sich nach 100 Metern links. Dann wieder die erste Gasse nach links und dann wieder rechts und man steht vor dem Gelände des minoischen Palastbezirkes mitten im Ort.

vor dem minoischen Palastbezirk in Archanes.

Hier wurde die Existenz einer bedeutenden minoischen Stadt schon von der Vor- bis zur Nachpalastzeit (2.500-1.400 v.Chr.) durch Ausgrabungen nachgewiesen.

Minoische Bauten und ein kleiner Palast, welcher eher eine große Villa und vielleicht die Sommerresidenz des Priesterkönigs von Knossos war, wurden im ehemals türkischen Ortsteil Tourkogitonia von Archanes entdeckt.
Die Gebäudereste stammen aus der Zeit von 1.600 v.Chr. und wurden von dem Archäologen-Ehepaar Efi und Jannis Sakellarkis gefunden und seit 1964 nach und nach teilweise freigelegt.
Die Ausgrabungen befinden sich hinter Zäunen an der Straße zwischen neuzeitlichen Gebäuden und werden nach und nach fortgesetzt.
Die Gebäude wurden 1.450 v.Chr. zwar zerstört, der Ort wurde aber weiterhin bewohnt. Im heutigen Ortsname ist der seit dem 5. jahrhunder v.Chr. schriftlich belegte Ortsname ‚Acharna‘ weiterhin enthalten.

Archäologisches Museum

Das Archäologisches Museum von Archanes befindet sich in der Gasse Mihali Kalohristianaki, zwischen den beiden Einbahnstraßen und etwa 80 Meter nördlich des Hauptplatzes.
Das in einem einzigen Raum fantasievoll angelegte Museum in Archanes zeigt einige bedeutende Originale und Kopien von Funden aus den Grabungen in der Ortschaft und der Umgebung.
In der Nähe des Eingangs befinden sind einige gut erhaltene minoische Larnakes (Tonsärge, komplett mit den in ihnen gefundenen Knochen) aus der Nekropole von Fourni.
In der Nähe befindet sich die Kopie eines Sistrums, ein simples und tamburinartiges Musikinstrument aus dem Jahr 2.000 v. Chr. Dieses wohl älteste, noch existierende Musikinstrument Europas stammt ebenfalls von dem Gräberfeld aus Fourni und das Original ist im archäologischen Museum von Iraklion zu sehen.

Dazu gibt es faszinierende Funde aus dem Tempel von Anemospilia, wo beim Zusammenbruch des Gebäudes gerade ein Menschenopfer dargebracht wurde. Der Tempel liegt etwa 4 Kilometer nordwestlich von Archanes am Nordhang des Jouchtas und die Strecke nördlich der Panagia-Kirche ist gut ausgeschildert.
Der Tempel von Anemospilia wurde 1979 durch das Archäologen-Ehepaar Sakellarakis ausgegraben und beinhaltete eine Sensation. Im Westraum wurde das Skelett eines gefesselten Jünglings gefunden, in dessen Brust ein 40 cm langer Bronzedolch steckte. In dem Raum wurden noch zwei weitere Skelette gefunden, das eines vermutlichen Priesters mit reichem Juwelenschmuck und einer vermutlichen Gehilfin.
Außerhalb dieses Raumes in einem Korridor wurde das Skelett eines weiteren, von den Gesteinsbrocken erschlagenen Mann gefunden, welcher gerade eine rituelle Vase trug.
Der geopferte Jüngling war schon tot, als das Gebäude endgültig zusammenbrach. Bis zu diesem Fund galten die Minoer als vorbildlich friedliche Zivilisation, doch dies ist das erste eindeutig dokumentierte Menschenopfer der minoischen Kultur.
Das Ereignis wird auf den gleichen Zeitraum – etwa 1.700 v.Chr. – wie die Zerstörung der ersten Paläste datiert, welche durch ein gewaltiges Erdbeben verursacht sein mussten.


Eine Kopie des Dolches, welcher auf dem Opfer gefunden wurde, ist hier im Museum ausgestellt. Der Dolch hat das merkwürdige Motiv eines deformierten Wildschweins auf die Klinge geschlitzt. Dazu die Kopie des Siegelrings, welcher der Priester an seinem linken Handgelenk trug.
Im zerstörten Tempel wurden auch lebensgroße Tonfüße gefunden, welche zu einer hölzernen Kultstatue gehört haben mussten und hier auch ausgestellt sind. Lebensgroße minoische Statuen wurden zuvor oder danach auf Kreta nirgendwo anders gefunden.

Es gibt auch Fresken aus den Wänden des kleinen Palastes und Tonscherben zu sehen, welche belegen, dass der Ort schon seit fünftausend Jahren besiedelt ist. Dazu gibt es noch Ausstellungsstücke aus der minoischen, klassischen griechischen, römischen, byzantinischen, venezianischen und türkischen Zeit.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag von 8:30 bis 14:30 Uhr, Eintritt frei.

Das Aquädukt von Iraklion, errichtet unter ägyptischer Hoheit zwischen 1832 und 1840.
Ausgrabungen im minoischen Palastbezirk in Archanes.
Lagerräume mit Gefäßen in der minoische Gutshof-Villa Vathypetro.
Weinberge bei der minoische Gutshof-Villa Vathypetro.

Nekropole Fourni

Die lange Existenz von Archanes bezeugt das Gräberfeld von Fourni, einem Hügel etwa 1,5 km südwestlich des Ortes. Es ist der bedeutendste prähistorische Friedhof in der gesamten Ägäis.
Die Anlage des Friedhofs ist äußerst interessant, da es Beinhäuser, Kuppelgräber und rechteckige Grabbauten von der Vorpalast- und der Zeit der ersten Paläste gibt. Dazu kommen noch sechs von einer mykenischen Ringmauer umgebene Schachtgräber, die einzigen, welche bisher außerhalb von Mykene gefunden wurden. In allen diesen Gräbern wurden zahlreiche Grabbeigaben gefunden.

Das am Nordende entdeckte und als bisher als einziges nicht geplündert aufgefundene Kuppelgrab (etwa 1.400-1.350 v.Chr.) hatte wertvolle Beigaben aus Gold, Bronze und Elfenbein und muss von einer königlichen Beisetzung stammen. Die Fundstücke befinden sich im archäologischen Museum von Iraklion.

Zu beachten sind auch die Gebäude für den Grab- und Totenkult, dem sogenannten ‚Friedhofsdienst‘ in der Frühzeit und auch der Blick von der Nekropole auf die umliegende Landschaft ist großartig.

Anemospilia

Anemospilia liegt 2 Kilometer nordwestlich von Archanes und ist durch einen spektakulären Fund und seine kontroverse Geschichte bekannt. Der Fundort ist allerdings nur durch einen Zaun hindurch zu sehen und kann nicht im Inneren besichtigt werden.

Die Zufahrtsstraße führt von Archanes nach Norden. Aus der Richtung von Iraklio kommend fährt man in eine Einbahnstraße und biegt fast sofort auf der Stelle scharf nach rechts ab, gleich hinter einer kleinen Kapelle. Wenn man der Straße folgt, die nach Nordwesten aus Archanes hinausführt, beginnt diese die Nordseite des Berges Jouchtas hinaufzuführen, wobei sie sich um zerklüftete Felsen windet, die vom Wind seltsam geformt wurden. Denn Anemospilia heißt übersetzt die ‚Höhlen der Winde‘ und eine Überlieferung besagt, dass Zeus in einer der vielen Höhlen des Jouchtas begraben liegt.
Bald erreicht man einen eingezäunten Ort, welcher in einer steilen Kurve der Straße liegt.

Hier stand einmal ein Tempel und die Interpretation seines Fundes war seit seiner Ausgrabung Anfang der 1980er Jahre Ursprung einer empörter Kontroversen unter minoischen Gelehrten. Das Gebäude, das vermutlich durch ein Erdbeben um 1700 v. Chr. zerstört wurde, ist einfach angelegt und besteht aus nur drei Räumen, die durch einen nach Norden gerichteten Portikus miteinander verbunden sind.

Ursache des Zwists ist der Umstand, dass der Tempel in Anemospilia inmitten einer Zeremonie zerstört wurde. Es wurde ein offensichtliches Menschenopfern vorgefunden, was der einzige Beweis für ein solches Ritual in der minoischen Kultur auf Kreta ist.
Dieser Fund war für diejenigen, die die Minoer als die perfekte friedliche Gesellschaft darstellen wollten, ein schwerer Schock.

Die Beweise dafür sind allerdings nur schwer zu widerlegen. Im westlichen Raum wurden drei Skelette gefunden, wovon eines reichlich Schmuck trug, was auf einen Priester hinwies. Ein weiteres war eine Frau, vermutlich eine Priesterin oder Assistentin und der Dritte war auf einer altarähnlichen Sockel zusammengerollt und laut den Wissenschaftlern bereits tot, als das Gebäude einstürzte und die beiden anderen unter sich begrub.
Ein großes Bronzemesser lag auf diesem dritten Skelett. Außerhalb des westlichen Raumes wurde ein anderer Mann im Flur erschlagen, der anscheinend eine Art rituelle Vase trug.

Diese Ereignisse wurden ungefähr auf die Zeit der Erdbeben datiert, welche die ersten Paläste zerstörten und unter diesen Umständen scheint es nahezuliegen, dass die Priester mit verzweifelten Maßnahmen versuchten, die Götter zu besänftigen, die ihre Zivilisation verwüsteten.

Minoische Gutshof-Villa Vathypetro

Auf dem Gelände der minoischen Gutshof-Villa Vathypetro.

5 km südlich von Archanes befinden sich die Ruinen der minoischen Gutshof-Villa von Vathypetro, erbaut etwa um 1.600 v.Chr.
Die Villa liegt auf der südwestlichen Seite des Berges Juktas in der Gegend von Livadia. Von hier aus hat man eine herrliche Aussicht inmitten der Weinberge und auf das tiefer gelegene Gelände.

Die Außenwände sind aus Quadern, während die Innenräume aus Bruchstein sind. Vielleicht waren einige Gebäude auch zweistöckig und es gab viele Räume. Allerdings wurde nur der Westteil fertiggestellt und der Gutshof bereits nach 50 Jahren wieder aufgegeben.

Ein Teil der Räume ist überdacht und es gibt einen zentralen Hof. Im Inneren finden sich restaurierte Werkstätten, darunter eine sehr gut erhaltene Weinpresse, eine Oliven-Presse, Töpferöfen und Lagerräume. In diesen stehen 16 riesige ‚Pithoi‘-Gefäße.
Der Ort gibt eine gute Vorstellung der handwerklichen Fähigkeiten während der minoischen Zeit.


Video von den Besichtigungen südlich von Iraklion

Aquädukt von Iraklion, Nekropole Fourni, Panagia-Kirche in Archanes, minoische Gutshof-Villa Vathypetro:

(Dauer 1 min 45 sec)


Wegbeschreibung nach Archanes

Diese Webseite verwendet Cookies

Mehr